4. Nov 2026
Was ist Merinowolle? Alles, was die Faser kann und was nicht
Was ist Merinowolle? Was die Faser kann und wo sie schwächelt, warum in guten Socken Kunstfaser steckt und was 16 Micron bedeuten. Mit Sommer und Pflege.
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Mulesing ist ein Eingriff an Merinolämmern, vor allem in Australien: Züchter schneiden Haut rund um den Schwanz weg, damit sich dort keine Fliegenmaden einnisten. In Neuseeland ist das seit 2018 verboten. Mulesingfrei heisst, die Wolle stammt von Schafen, bei denen das nicht gemacht wurde. Verlassen kannst du dich darauf mit Siegel oder belegter Herkunft.
[Bild hochladen: schafherde-auf-der-weide.jpg. Datei bilder/schafherde-auf-der-weide.jpg im Beitragsordner, Unsplash: https://unsplash.com/photos/a-herd-of-sheep-standing-on-top-of-a-lush-green-field-nbklTnbXZ68. Alt-Text: Herde weisser Schafe mit dichter Wolle auf einer grünen Wiese, zwei Tiere vorne schauen in die Kamera, Bäume im Hintergrund]
Beim Mulesing entfernt der Züchter einem Lamm Hautstreifen am Hinterteil, rund um den Schwanz. Die Wunde vernarbt, die Haut dort wächst glatt und ohne Wolle nach. Benannt ist das Verfahren nach dem Australier John W. H. Mules, in Australien verbreitet hat es sich ab den 1930er Jahren (Wikipedia). Die Lämmer sind dabei laut Deutschem Tierschutzbund zwei bis zehn Wochen alt.
Umstritten ist der Eingriff, weil er lange ohne Betäubung und ohne Schmerzmittel gemacht wurde, und zum Teil bis heute so gemacht wird. Vier Pfoten und der Deutsche Tierschutzbund lehnen ihn deshalb ab. Was Merinowolle sonst ausmacht, steht im Beitrag Was ist Merinowolle? [Link: Übersicht Beitrag 1, URL folgt, sobald online].
Wegen der Fliegenmaden. Die Schmeissfliege Lucilia cuprina legt ihre Eier in feuchte, verschmutzte Wolle, am häufigsten am Hinterteil. Die Maden fressen sich in die Haut. Auf Englisch heisst das Flystrike.
Merinoschafe trifft das besonders, weil sie über Generationen auf viel Wolle gezüchtet wurden. Viele haben Hautfalten am Hinterteil: mehr Haut bringt mehr Wolle, aber auch mehr Stellen, an denen Feuchtigkeit hängen bleibt (Vier Pfoten). Der australische Bauernverband National Farmers Federation rechnet vor, dass ohne Vorbeugung jedes Jahr rund drei Millionen Schafe befallen würden (zitiert nach Wikipedia). Mit dieser Zahl begründen die Züchter den Eingriff.
Es geht auch anders. Züchter können auf Schafe mit weniger Falten setzen, Insektizide oder biologische Fliegenbekämpfung einsetzen oder Kunststoffklammern statt Schnitt verwenden (Wikipedia). Mehr über das Tier selbst liest du im Beitrag Das Merinoschaf [Link: Beitrag 11, URL folgt, sobald online].
In Neuseeland. Dort gilt seit dem 1. Oktober 2018 ein Verbot, auch mit Betäubung (Wikipedia, Farmonline). In Australien ist Mulesing erlaubt. Die australische Wollbranche hatte 2004 angekündigt, bis Ende 2010 aufzuhören, und das Ziel später ohne neuen Termin fallen gelassen (Wikipedia). Im Bundesstaat Victoria müssen Züchter seit dem 1. Juli 2019 ein zugelassenes Schmerzmittel geben (Stock & Land).
In Deutschland und Österreich spielt Mulesing in der Schafhaltung keine Rolle, das Tierschutzgesetz lässt so einen Eingriff ohne zwingenden Grund nicht zu [prüfen]. Die Frage stellt sich also bei importierter Merinowolle.
Bei australischer Wolle rund ein Viertel. Seit 2008 können australische Züchter für ihre Wolle freiwillig angeben, ob die Schafe gemulest wurden, auf der sogenannten National Wool Declaration. Laut australischer Wollbörse AWEX waren im Juni 2025 23 Prozent der deklarierten Ballen „nicht gemulest“, 3 Prozent kamen von Betrieben, die damit aufgehört haben. Bei 44 Prozent gaben die Züchter an, ein Schmerzmittel verwendet zu haben (RSPCA Australia nach AWEX).
Der Deutsche Tierschutzbund kommt auf ein ähnliches Bild: Er schätzt, dass 70 bis 80 Prozent der australischen Merinowolle von gemulesten Schafen stammen.
Mulesingfrei heisst, die Schafe, von denen die Wolle stammt, wurden nicht gemulest. Mulesing frei, mulesing-free und non-mulesed meinen dasselbe. Ein gesetzlich geschützter Begriff ist das nicht [prüfen]. Steht er ohne Siegel und ohne Herkunftsland auf dem Etikett, ist er eine Angabe des Herstellers, die du selbst nicht nachprüfen kannst.
Das heisst nicht, dass die Angabe falsch ist. Es heisst nur, dass du dem Hersteller vertraust. Wie oft das schiefgeht, zeigt ein Test von Vier Pfoten aus dem Jahr 2020: Von 28 Strickwollmarken konnten nur vier Mulesing ausschliessen (Wikipedia).
Am Siegel und an der Herkunft. Der Responsible Wool Standard (RWS) der Organisation Textile Exchange verbietet Mulesing, Betriebe, die damit aufgehört haben, sind zugelassen (RWS, Anforderung AW4.15 [prüfen: aktuelle Fassung]). Das Siegel ZQ Merino kommt aus Neuseeland und schliesst Mulesing ebenfalls aus, die Betriebe werden unabhängig geprüft. Beide zählt Vier Pfoten zu den verlässlichen Kennzeichen.
Vorsicht beim Bio-Siegel GOTS: Laut Vier Pfoten reicht es bei Wolle aus Australien nicht, weil die australischen Bio-Richtlinien Mulesing nicht ausschliessen.
Ohne Siegel hilft das Herkunftsland. Wolle aus Neuseeland ist per Gesetz mulesingfrei. Wolle aus Südamerika gilt als mulesingfrei, weil die Fliege dort kaum vorkommt [prüfen]. Steht auf dem Etikett nur „Merino“, frag beim Händler nach, woher die Wolle kommt. Das rät auch der Deutsche Tierschutzbund. [Antwort Angelica, Frage 2: worauf du selbst beim Kauf schaust]

Für die Beanies ja. Auf unserer Startseite steht, dass unsere Schurwolle zu 100 Prozent mulesingfrei ist. Die Beanies bestehen zur Hälfte aus Schurwolle und zur Hälfte aus Polyacryl, mit Fleece-Innenband an Stirn und Ohren. [Antwort Angelica, Frage 1: woher die Wolle stammt und welches Zertifikat oder welcher Nachweis vorliegt]
Die Nomad Shirts und Longsleeves sind aus 100 Prozent Merino mit 16 Micron, die Socken haben 70 bis 85 Prozent Merino. Ob auch diese Wolle mulesingfrei ist, [prüfen, Antwort Angelica, Frage 1].
[Antwort Angelica, Frage 3: warum euch mulesingfreie Wolle wichtig war und was ihr anders macht]

Unsere Beanies findest du unter Beanies, die Merino-Shirts unter Merino Shirts.
Wikipedia, Artikel „Mulesing“ · Deutscher Tierschutzbund, „Merinowolle“ · Vier Pfoten, „Die Mythen über das Mulesing von Schafen“ und Medienmitteilung zu Wolle ohne Mulesing · RSPCA Australia Knowledge Base nach AWEX, National Wool Declaration · Stock & Land, „Registered pain relief now mandatory when mulesing in Victoria“ · Farmonline, „New Zealand bans mulesing“ · Textile Exchange, Responsible Wool Standard
Von der ArmyBug Crew, geschrieben von [Autor: Angi oder Stephan]. Angi war fast zehn Jahre beim Bundesheer, Stephan sieben Jahre beim Jagdkommando. Was die beiden nicht selbst im Gelände tragen, kommt nicht in den Shop, und dazu gehört die Frage, woher die Wolle kommt.