Nov 4, 2026
Was ist Merinowolle? Alles, was die Faser kann und was nicht
Was ist Merinowolle? Was die Faser kann und wo sie schwächelt, warum in guten Socken Kunstfaser steckt und was 16 Micron bedeuten. Mit Sommer und Pflege.
Strichtarn ist das Tarnmuster der Nationalen Volksarmee der DDR: kurze, senkrechte braune Striche auf graugrünem Grund. Die NVA trug es ab 1965 mit dem Kampfanzug 64, bis sie 1990 aufgelöst wurde. Das Muster ist eine vereinfachte Form des Splittertarns von 1931 und kam über Polen in die DDR. Soldaten nannten es „ein Strich, kein Strich“.

Strichtarn stammt vom Splittertarn ab, den die Reichswehr 1931 als „Buntfarbenaufdruck“ einführte. Zwischen dessen eckigen Farbflächen liegen feine Striche, die alle in eine Richtung zeigen. Strichtarn behält diese Striche und lässt die Flächen weg.
In die DDR kam die Idee über Polen. Die polnische Armee führte 1958 das Muster wz. 58 ein, „Deszczyk“, auf Deutsch Regen. Die Tschechoslowakei trug ab 1953 ein Muster nach dem Sumpftarn der Wehrmacht und stellte 1963 ebenfalls auf Striche um. Dort hiess das Muster „jehličí“, Nadeln.
Und das Sumpfmuster der Wehrmacht? Als Vorbild ist es nur für das tschechoslowakische Muster von 1953 belegt. Beim Strichtarn der NVA führt die Linie über den Splittertarn und Polen.
Seit 1965. In dem Jahr begann die Serienfertigung, gemeinsam mit einem neuen Felddienstanzug, dem Kampfanzug 64. Vorher trug die NVA Flächentarn, wegen seiner Formen auch Blumentarn genannt, eingeführt 1958. Eine Weile liefen beide Muster parallel, Flächentarn wurde noch bis etwa 1970 gefertigt.
Ab 1971 trug auch der Zoll der DDR Strichtarn. Mit dem Ende der NVA 1990 verschwand das Muster aus dem Militär, nur die Bereitschaften der Volkspolizei trugen es nach der Wiedervereinigung noch, mit dem Aufdruck POLIZEI. Die Restbestände gingen in den Handel und in andere Länder. In Kroatien etwa trugen Einheiten sie bis 1992, in Estland die Verteidigungsliga in den 1990er Jahren.
Der Spruch beschreibt das Muster: Strich, Lücke, Strich. Die Linien laufen nicht durch, sie brechen ab und setzen darunter neu an. Im Volksmund wurde daraus „Einstrich-Keinstrich“, und unter diesem Namen kennen Sammler auch den Kampfanzug 64. Händler sagen Regentarn, im Englischen heisst das Muster „raindrop“.
Der Spruch hat eine zweite Seite. Aus einigen Metern Entfernung sind die feinen Striche nicht mehr zu sehen. Dann bleibt nur der graugrüne Grund, also kein Strich. So deutet ihn zumindest ein Blog zur Geschichte der NVA. [prüfen]
Was der Begriff Tier 1 beim Militär bedeutet, steht in [Link Beitrag 3: Was bedeutet Tier 1 beim Militär?, sobald online].
Die NVA trug zwei Typen. Der erste Typ von 1965 hat dünnere, längere Striche auf hellerem, sandfarbenem Grund, der Stoff hatte mehr Baumwolle. Beim zweiten Typ sind die Striche dicker und der Grund eher oliv bis bräunlich. Er kam Ende der 1960er Jahre und blieb bis 1990. Für den Wechsel nennen die Quellen 1966, 1967 oder 1968.
Daneben kennen Sammler Einzelfälle wie den „Pfeffi“ von 1966, einen Strichtarn in hellem Minzgrün. Der war vermutlich ein Trageversuch. [prüfen]
Ausserhalb der DDR gibt es Verwandte: das polnische wz. 58, das tschechoslowakische vz. 60 mit zweifarbigem Grund und ein vereinfachtes Strichmuster in Bulgarien.
[Bild 2, Platzhalter: Kampfanzug der NVA im Strichtarn, historisches Foto. Siehe Bildtabelle.]
Mässig. Die senkrechten Striche sollten an Regen und Nadelwald erinnern und den Umriss auf mittlere Entfernung auflösen. Aus der Nähe tun sie das. Ab einigen Metern verschwimmen sie, und dann tarnt vor allem der graugrüne Grundton, der zu Wald und Feld in Mitteleuropa passt. In Foren liest du deshalb oft, Strichtarn sei kaum besser als eine einfarbige Uniform in derselben Farbe. [prüfen]
Originale der NVA verkaufen Militaria-Händler und Marktplätze: Jacken, Hosen, Beutel, sogar Stoff als Meterware. Dazu kommen Nachdrucke auf T-Shirts und Jacken. Ein amerikanischer Hersteller hat eine Feldjacke im Muster aus Bio-Baumwolle gemacht und nennt sie „Rain Drop Camo“.
„Strichtarn modern“ heisst also meistens: das alte Muster auf einem neuen Schnitt, in anderen Farben oder aus anderem Material. Die Striche bleiben, alles andere darf sich ändern.

Ja, bei armybug als Strickmuster. [Antwort Angelica, Frage 3: warum armybug Strichtarn führt]
[Antwort Angelica, Frage 1: vom Uniformdruck zum Strickmuster]
In der Retro-Kollektion steht dazu: „Wir haben die Muster nicht neu erfunden, sondern in der Farbgebung zurückgenommen, damit sie auch ausserhalb vom Gelände tragbar sind.“ Die Strichtarn Beanie zeigt feine Striche auf gedecktem Grund [prüfen: Farbbezeichnung, im Auftrag stand Grau, auf dem Produktfoto ist der Grund olivgrün]. Die Strichtarn Braun Beanie setzt das Strichmuster der NVA auf braunen Grund und ist innen rundum mit Fleece gefüttert. Beide sind gestrickt statt genäht, deshalb liegt keine Naht am Ohr.
[Antwort Angelica, Frage 2: wozu und womit ihr Strichtarn tragt]
Beide Beanies und die anderen historischen Muster findest du in der Retro-Kollektion.

Geschrieben von der ArmyBug Crew, [Autor: Angi oder Stephan]. Angi war fast zehn Jahre beim Bundesheer, bei der Militärpolizei und in der Öffentlichkeitsarbeit, Stephan sieben Jahre beim Jagdkommando. Tarnmuster haben beide im Dienst getragen, bevor sie sie gestrickt haben.